Ein im Untergrund verborgenes Farberlebnis

Die Tiefgarage des neu erbauten Mehrfamilienhauses in Stäfa sollte kein anonymer Ort sein. Durch den Einsatz von Farbe bekommen das Untergeschoss und die Garage eine Identität.

Das grosse Raumvolumen der Tiefgarage wird von Betonträgern mit ovaler Grundform getragen. Ein minimaler Eingriff mit Farbe auf den Säulen verdeutlicht ein grundlegendes Phänomen der Architekturwahrnehmung – die räumliche Wahrnehmung in der Bewegung. Schon der Architekturtheoretiker Bruno Zevi hält 1959 fest, dass die Wahrnehmung von Architektur ganz anders funktioniere als beispielsweise die Betrachtung eines Kunstwerks. Ein Bild ist zweidimensional, und man kann sich zur Betrachtung davorstellen. Eine Skulptur kann von allen Seiten von aussen betrachtet werden. Architektonische Werke verlangen einen totalen Perspektivenwechsel, indem man in sie hineingehen kann, sich durch ihr Inneres bewegt und in ihnen lebt. Durch die Bewegung verschieben sich Bezugspunkte, und der Raum verändert sich, je nachdem, wohin man blickt und in welche Richtung man schreitet.

Durch die horizontale und vertikale Aufteilung der Säulen entstehen Farbflächen, deren Proportionen sich je nach Position der Betrachterin oder des Betrachters verändern. Die vertikale Unterteilung am Ansatz der Krümmung der ovalen Grundform lässt die beiden vertikalen Flächen je nach Standpunkt unterschiedlich erscheinen. So kann es sein, dass eine Farbe gänzlich auf der Rückseite der Säule verschwindet, beim Weitergehen als schmaler Streifen erscheint und dann immer breiter wird.


Mehrfamilienhaus in Stäfa
Farbkonzept:
Chroma-Studio
Architekt*innen:
Af21
Auftraggeber*innen:
Private Bauherrschaft
Baujahr:
2025
Ausführung:
Chroma-Studio, 2026